Dienstag, 6. August 2013

‘From bad to worse’ oder ‘Dying slowly instead of dying fast’


Robert Gabriel Mugabe hat die Wahl gegen Tsvangirai mit 61%gewonnen, also genau dem Prozentanteil, der für Tsvangirai vorausgesagt wurde. Und wie es aussieht, bekommt Mugabe sogar die 2/3 Mehrheit im Parlament, mit anderen Worten, er kann erneut die Verfassung ändern. Die neuste Verfassung wurde zwar erst diesen Frühling verabschiedet und beinhaltet unter anderem mehr Rechte und gleicher Lohn für die Frauen, doch auch eine Amtszeitbeschränkung. Wie lange die nun noch rechtskräftig ist, wird sich zeigen.
Die Folgen der Wahl sind bereits jetzt spürbar. Neben der allgemeinen Fassungslosigkeit in der Bevölkerung stiegen schon heute die Benzinpreise auf 2 Dollar – natürlich ohne jegliche Begründung. Dies hat weitreichende Konsequenzen. Die Zimbabwer können sich so das Fahren mit dem Auto kaum mehr leisten und im Gleichen steigen die Commuter- und Busfahrpreise. So können sich die Leute das von Ort zu Ort kommen nicht mehr leisten und das bei den riesigen Distanzen hier. Dadurch steigen die Lebensmittelpreise, weil weniger Leute sich diese leisten können (wegtechnisch) und weil kaum Autos mehr fahren, was auch für die zahlreichen Strassenverkäufer schwer zu tragen ist. Dies sind nur einige Folgen, die dieser erhöhte Benzinpreis mit sich zieht.
Der neue Benzinpreis führt also zu einer Erhöhung jeglicher Preise im Land und somit zu einer weiteren Verarmung der Bevölkerung. Um es kurz zu sagen: From bad to worse. (Dieser Satz stammt übrigens von unserem Gärtner)
Der Grund für diesen hohen Benzinpreis ist eigentlich ganz simpel. Nach der gewonnenen Wahl müssen nun die Geschenke für die meist bestochenen Wähler bezahlt werden. Und wieso die eigene Kasse anzapfen, wenn man doch das eigene Volk noch etwas mehr ausnehmen kann? ...
Doch warum hat Mugabe gewonnen? Wie kam es zu diesem Sieg?
Also erstens einmal ist es kein Geheimnis, dass viele Menschen, die bereits seit Jahren und Jahrzehnten tot sind, mitgewählt haben. Was sich fast schon verrückt anhört, ist hier eine gängige Methode. Tote Menschen wurden von der ZanuPF (Partei Mugabes) als Wähler registriert und an der Wahl wurde unter ihrem Namen abgestimmt. Dazu kamen Wahlzettel, die bereits im Vornherein ausgefüllt und versiegelt wurden und schlussendlich einfach ohne eine dahinterstehende wählende Person mitgezählt wurden.
Eine weitere grosse Wählerschaft waren all jene, die bestochen wurden. Viele Menschen hier leben am absoluten Existenzminimum und die Zustände vor den Wahlen haben nicht wirklich zu einer Besserung beigetragen. So ist ein bisschen Bestechungsgeld eine leichte Verlockung und viele dachten sich wohl, „auf meine Stimme kommt es ja nicht darauf an“.
Zudem haben die Menschen hier ein anderes Wertgefühl. So werden viele, die bei einem ZanuPF-Mitglied, welche meist reicher als die Restbevölkerung sind (-> Korruption), angestellt sind, für Mugabe gewählt haben, weil sie sich dazu verpflichtet fühlten.
Doch das wirklich grösste Problem war wohl die Angst. Bereits nach den ersten Wahlen hat Mugabe ganze Wohngebiete, die für die MDC (Mouvement for democratic change) gestimmt hatten, niedergerissen und zerstört und die Menschen zusammengeschlagen oder ins Gefängnis gesteckt. Die Angst vor einer erneuten Murambatsvina, wie diese Aktion genannt wurde, war demnach riesig. Auch vor einer Einzelverfolgung hatten viele Angst, wenn sie mit ihrem Wahlzettel abstimmen gingen. Denn man darf nicht vergessen, dass wir uns in einer Diktatur befinden und der Geheimdienst (übrigens von Chinesen ausgebildet und ausgerüstet) allgegenwärtig ist, oder zumindest empfinden es die Leute so. Letztes Jahr wurde mir sogar beigebracht, immer daran zu denken, dass die Wände Ohren haben, selbst wenn ich Schweizerdeutsch sprach.
Doch am allergrössten war die Angst vor der Armee. Diese hat ja angekündigt, bei einer Wahl Tsvangirais selbst die Macht zu übernehmen. Der darauf folgende Bürgerkrieg wäre wohl kaum mehr abwendbar gewesen.
Um es also mit den Worten eines Mitarbeiters des Spitals zu sagen: Dying slowly instead of dying fast. Also anstatt direkt von den gewalttätigen Folgen einer Nichtwiederwahl Mugabes betroffen zu sein, hat die Bevölkerung den langsamen Untergang des Landes gewählt.
Es stimmt also, dass sicher Wahlbetrug stattfand. Doch man darf nicht denken, dass alle Stimmen so zustande kamen. Es ist wohl eine traurige Tatsache, dass viele Menschen Mugabe wählten, sei es nun durch freien Willen, Bestechung oder Angst. Die Diktatur bleibt somit bestehen und somit auch der langsame Untergang Zimbabwes.

Diese „Schlussfolgerungen“ stammen aus einem Gespräch am heutigen Mittagstisch mit unserem Hausmädchen und dem Gärtner. Es ist erstaunlich, dass mittlerweilen ziemlich offen über Politik gesprochen wird und auch der Wahlbetrug ist kein Geheimnis. Noch letztes Jahr hätte der Gärtner kein Wort über Politik verloren. Doch leider hat dieser Wandel nicht zu einem anderen Wahlresultat geführt. Das Hausmädchen hat uns aber verraten, dass viele Menschen fragen, wie es dazu kommen konnte und alle seien sichtlich enttäuscht und fassungslos. Wir werden sehen, wie es weitergeht und ob Zimbabwe irgendwann aus dieser Spirale der Gewalt und Korruption herauskommt.

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